Politik

Kanzler Scholz und seine Aktentasche

Der Lack ist nun endgültig ab. Kanzler Olaf Scholz konnte bei der Bundestagswahl 2025 keine Mehrheit für ein neues Projekt mobilisieren. Nun muss er das Kanzleramt verlassen, sollte dabei aber bitte nicht seine alte Aktentasche vergessen.

Ich habe Respekt vor dem Mann. Seine Abwahl fällt zusammen mit dem Jahrestag des Überfalls durch Wladimir Putin auf die Ukraine vor genau drei Jahren. Das verdeutlicht doch, was zu Beginn seiner Amtszeit die Weltpolitik prägte.

Vergessen auch nicht der lange weiße Tisch im Kreml: rechts sitzt Olaf Scholz, weit entfernt auf der linken Seite, gerade mal noch in Rufweite, präsidiert Waldimir Putin. Gesprächsatmosphäre dokumentierten die Bilder von der Situation nicht.

Aber den größten Respekt zolle ich ihm dafür, mehr als drei Koalitionsjahre mit Christian Lindner ausgehalten zu haben. Puuh, so einen Schlaumeier, der ständig mit Kieseln nach dir wirft, aber so tut als wäre nichts, wenn du dich umdrehst.

Schlecht ist Olaf Scholz allerdings in der Kommunikation. Zu schmallippig. Kurze, einprägsame Botschaften fehlten. Zuletzt – befreit von FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner – hatte er im Wahlkampfmodus zwar ein wenig aufgedreht.

Aber, als US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj einen „Diktator“ nannte – was bitte sagt Olaf Scholz? Trumps Äußerungen seien „falsch und gefährlich“. Hallo? Kanzlerdiplomatie ist da fehl am Platz. Wenn ich das Ende meiner Karriere in Sichtweite habe, muss es doch heißen: Donald, hast du sie noch alle?

Werden wir leider nicht mehr erleben. Jetzt hat Olaf Scholz angekündigt, als einfacher Abgeordneter anzutreten. Das lobe ich mir. Dann kann die Aktentasche ja weiter Bundestagsluft schnuppern. Und vielleicht auch ihre Karriere auf TikTok fortsetzen.