Robert Habeck: Märchen schreiben in der Politik
Robert Habeck kann ich gut verstehen. Er musste in der Ampel viel Hinterhältiges (Durchstechen des Heizungsgesetzes an die Medien) und Frontales (Attacken pöbelnder Bauern bei Ankunft mit der Fähre) aushalten. An seiner Stelle würde ich nach der Schlappe seiner Kanzlerkandidatur auch erstmal durchatmen wollen.
Wenn da nicht die vielen Unterzeichner eines Aufrufes wären, jetzt sind es schon 360.767. „Doch gerade in einer solchen Zeit braucht es Menschen – und noch wichtiger Führungspersönlichkeiten – wie dich“, heißt es in dem Aufruf. Kann er sich dem verschließen? Reagiert hat er vor ein paar Stunden mit einem erklärenden Video, dass eigentlich keine Schlussfolgerung für seine Zukunft zulässt.
Ich hatte heute ein aufwühlendes Gespräch mit einem Kollegen. Wir sprachen über die Wahl und die Ergebnisse. Schnell merkte ich, dass er kein Freund der Grünen ist, regte sich darüber auf, dass Zehntausende den Aufruf für Robert Habeck unterzeichnet hätten. Ich spürte, dass wir schnell auf das ewige Dauerthema Klima und Grüne kommen würden.
Ich bin dem ausgewichen. Weil es mich langsam nervt, entschuldigen zu müssen, dass es grüne Politiker wie Robert Habeck gibt, die mit sachlicher, manchmal zu sachlicher Kommunikation, uns erklären wollen, dass es unter anderem eine Zukunftsaufgabe Klima gibt.
Das Thema Migration sprach der Kollege beherzt an, da müsse etwas getan werden. Warum nicht beim Klima? Ich verstehe das nicht. Wir bekommen jetzt wahrscheinlich einen Kanzler, der alles zurückschrauben will, der konservativ und rückwärtsgewandt auftritt.
Wir bekommen mit der AfD eine rechte Fraktion im neuen Bundestag, die aus 134 Männern und 18 Frauen besteht. Ja, die Zahlen stimmen. 152 Menschen, die ihre Hauptaufgabe darin sehen, zu pöbeln, zu krakeelen und zu hetzen – und das auf Kosten der Steuerzahler.
Und an wem arbeiten sich alle ab? An Robert Habeck!
Bevor Robert Habeck Spitzenpolitiker der Grünen wurde, schrieb er zusammen mit seiner Frau Andrea Paluch Romane und Kinderbücher. Ich wünsche ihm, dass er damit wieder anfängt.
In einer Zäsur meines Lebens habe ich meinen ersten Krimi geschrieben. Das hat mir gut getan. Ich wünschte, ich hätte mal wieder Zeit, die Reihe fortzusetzen. Die Pandemie war übrigens auch ein Auslöser für viele Menschen zu schreiben.
Die Roman-Autorin Ulrike Thränhardt hat beschrieben, was viele Menschen im Corona-Jahr 2020 erlebten: „Vor der Zeit ging man arbeiten und machte so seine Sachen, wie immer. Plötzlich, ganz plötzlich kam Corona.“ Sie berichtet auch von der Langeweile, dass man nicht mehr wusste, was man machen sollte. Schließlich brachte sie jemand auf die Idee, eine Geschichte zu schreiben, eine, die sie schon immer schreiben wollte. Für das Ergebnis bekam sie sogar einen Preis beim Wortfinder-Schreibwettbewerb.
Geschichten oder Bücher schreiben ist also in. Wer hat nicht schon mal davon geträumt, einen Roman zu schreiben und ein berühmter Autor zu werden. Romanschulen, Autoren-Workshops und Schreib-Werkstätten gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Im Internet finden sich zahlreiche Tipps und Blogs, sogar Apps und Software, die helfen, das Arbeiten mit dem Text zu strukturieren.
Auch die Kundschaft ist vorhanden. Fast dreißig Millionen Buchkäufer gab es laut Statistik 2019 in Deutschland. Im Jahr 2012 waren es sogar mal rund 37 Millionen, 2023 nur noch 25 Millionen. Den größten Umsatz machen Bücher aus dem Segment Belletristik aus, am beliebtesten sind immer noch Krimis und Thriller.
Interesse am Roman schreiben gestiegen
Und ähnlich wie bei Geschichtenschreiberin Ulrike Thränhardt dürfte Corona auch für viele andere Menschen ein Auslöser gewesen sein, sich hinzusetzen und in die Tasten zu hauen. André Hille von der Textmanufaktur in Fischerhude kann das bestätigen. Er war früher Lektor in einem Leipziger Buchverlag. Heute betreibt er eine Autorenschule. Wenn er auf das Pandemie-Jahr zurückschaut, stellt er fest, dass das Interesse, einen Roman zu schreiben, gestiegen ist. „Plötzlich war der Arbeitsdruck ein wenig weg und die Zeit da, sich auf diese Themen zu besinnen“, meint er, und: „Vielleicht haben sich durch die Pandemie auch die Prioritäten verschoben.“
Auch Schriftsteller und Journalist Sebastian Fitzek, der mit seinen Psychothrillern bekannt geworden ist, wollte die Pause sinnvoll nutzen. Er rief unter dem Motto „#wirschreibenzuhause“ auf Instagram zu einem Kurzgeschichtenwettbewerb auf. In Hessen hat man unterdessen mit dem Schreibwettbewerb „Ohne Punkt und Komma“ Kinder und Jugendliche angesprochen, die es in der Corona-Krise besonders schwer hätten. „Es geht um die Ideen der Kinder und Jugendlichen, um ihre Lust am Scheiben. Ich würde mich sehr freuen, wenn viele die Chance nutzen und sich als Autorin oder Autor ausprobieren“, sagte Kultusministerin Angela Dorn.
Preisträgerin Thränhardt schrieb übrigens eine Geschichte über einen Garten, einen wirklich vorhandenen, den sie nutzen darf und in der Corona-Zeit ihr Lieblingsort war. „Dort habe ich mich so wohl gefühlt, und die Gedanken sind mir nur so im Kopf herumgeflattert, sie mussten einfach aufgeschrieben werden“, sagt sie.
Foto: Screenshot Youtube